bielefeld-texter

Wie schreibt man über eine Stadt, die es nicht gibt? Mit nur diesem einen Satz habe ich schon eine bekannte urbane Legende über Bielefeld bedient. Die Verschwörungstheorie „Bielefeld conspiracy“ besagt nämlich, dass die Stadt überhaupt nicht existiert.

Dabei gibt es viele handfeste Fakten, die durchaus dafür sprechen, dass es Bielefeld gibt – zum Beispiel die Tatsache, dass hier über 25.000 Studierende die Universität besuchen und in 116 verschiedenen Fächern studieren.

Ich bin ein Wochenende in Bielefeld und als Texterin mache ich mir natürlich darüber Gedanken, welchen Content ich dazu produziere. Dabei steht nicht das „was“ sondern das „wie“ im Mittelpunkt meiner Überlegungen. Wie schreibt man, aus Sicht einer Tourismustexterin, über eine Stadt wie Bielefeld, die ja unbestritten nicht gerade mit Attributen wie malerisch, atemberaubend oder aufregend punkten kann?

Bielefeld suchmaschinenoptimiert

„Bielefeld Sehenswürdigkeiten“ ist ein Suchbegriff, für den Google gerade mal 411 Ergebnisse ausspuckt. Das ist eine recht überschaubare Zahl, insofern könnte man ruhig noch einen weiteren Beitrag über Bielefelds Sehenswürdigkeiten schreiben, SEO-optimiert. „Boah, bloß nicht,“ höre ich dich jetzt schon sagen „suchmaschinenoptimierte Texte lesen sich total grausam.“ Ich entgegne: du hast total Recht – und aber auch eben nicht.

Es ist gut möglich, dass du heute schon einen oder mehrere suchmaschinenoptimierte Artikel gelesen hast, ohne es zu merken. Denn Google ist schlauer als du vielleicht denkst, entwickelt sich stetig weiter und belohnt denjenigen, der nicht nur nach vermeintlichen SEO-Richtlinien, sondern „schön“ schreibt. SEO ist heutzutage weit mehr als „bestimmte Schlüsselworte möglichst oft in einem Text unterzubringen“. Im Gegenteil, „Keyword-Stuffing“ wird mittlerweile sogar bestraft – mit Nichtbeachtung deines Texts durch die Suchmaschinen.

Natürlich wirst du in den Weiten des Internets immer noch auf Texte treffen, die bestimmte Schlüsselworte und Kombinationen aneinanderreihen: „Bielefeld gut essen wo“ wäre so ein Beispiel für eine Artikelüberschrift, bei dem sich bestimmt nicht nur mir die Nackenhaare aufstellen.

Ein schönes Beispiel für einen suchmaschinenoptimierten Text über Bielefeld ist „10 klassische Sehenswürdigkeiten in Bielefeld“ von Exciting Life.: gute Schreibe, keine komplizierten Schachtelsätze, enthält alle relevanten Informationen, klug gewählte Überschriften und Zwischenüberschriften. Das hat den Artikel immerhin auf Seite 1 von Google platziert, denn Suchmaschinenoptimierung bedeutet weitaus mehr als Schreiben nach Keyword. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Für wen ist ein suchmaschinenoptimierter Text für Bielefeld interessant? Für alle, die aus verschiedenen Gründen auf Google zum gewählten Bielefeld-Keyword gefunden werden wollen. Das können Reiseblogger sein, die über Bielefeld schreiben, das Tourismusmarketing Bielefeld das sicherlich ein Interesse daran hat, unter bestimmten Suchbegriffen zu Bielefeld auf Platz eins von Google zu landen oder Bielefelder Hotels und gastronomische Einrichtungen, die sich durch kluges Content-Marketing einen Platz ganz weit vorne bei Google sichern möchten.

Bielefeld Storytelling

Jetzt schon das Marketing Buzzword des Jahres: Storytelling. Egal ob in der Werbung, bei PR-Texten oder im hehren Journalismus: jeder will Storytelling. Woran das liegt? Wir Menschen interessieren uns für Geschichten, seit jeher. Daran wird auch der Fall Relotius nichts ändern, im Gegenteil, die ganze traurige Geschichte ist der deutliche Beweis dafür, wie sehr wir uns nach Geschichten sehnen. Geschichten erzeugen Emotionen. Mit der richtigen Story kann Nähe zu einem Produkt, einer Destination oder einer Marke geschaffen werden. Unser Gehirn merkt sich bloße Fakten ohne Zusammenhang weitaus seltener, als wenn diese Fakten in eine Geschichte eingebettet sind. 

Kannst du, ohne im ersten Absatz dieses Artikels zu spicken, dich daran erinnern wie viele Studentinnen und Studenten es in Bielefeld gibt?

Wenn ich dir aber eingangs zusätzlich erzählt hätte, dass Stefan Raab an der Uni Bielefeld einer von 25.000 Studierenden war, dann speicherst du diese Informationen ganz anders ab. Eingebettet in den großen Zusammenhang kannst du dir diesen Fakt garantiert besser merken.

Storytelling kann auf unterschiedliche Art und Weise umgesetzt werden, es gibt verschiedene Herangehensweisen. Welche Art von Storytelling du für dein Produkt oder deine Destination wählst hängt davon ab, wen du mit deiner Geschichte erreichen willst, welche Botschaft du dabei rüberbringen willst und was letztendlich dein Ziel ist (eine Reise verkaufen? Das Image deines Produkts verändern? Investoren anlocken?)

Meinen Storytelling Artikel über Bielefeld würde ich wahrscheinlich damit beginnen, wie ich mal mit Anfang 20 großen Liebeskummer hatte und ich eine damals in Bielefeld lebende Freundin besucht hatte. Ihr Rezept gegen den Herzschmerz: ein Besuch im Bielefelder Tierpark Olderdissen. Beim Anblick von Wildschweinbabies, Murmeltieren und blökenden Gemsen war der Typ zwar nicht vergessen, meine ungewollte Liebe aber konnte ich direkt auf andere Lebewesen projizieren.

Du möchtest mehr über Storytelling erfahren und lernen, wie du Storytelling für deine Destination umsetzen kannst? Frage mich hier unverbindlich für einen Storytelling Workshop in deiner Stadt an.

Bielefeld aus Nischensicht

Wer sich mit Marketing und PR beschäftigt, der kommt um den Begriff „Nische“ nicht herum. Viele Reiseblogger haben ihre Nische und schreiben zum Beispiel nur über ein einziges Land, eine einzige Stadt oder eine bestimmte Art zu reisen. Solo-Preneuren und Freelancern wird geraten, sich statt eines Bauchladens mit umfassendem Angebot auf eine bestimmte Nische zu konzentrieren. 

Nicht nur, aber eben auch deshalb habe ich mich auf Text & Strategie für die Tourismusbranche spezialisiert. Schreibe ich ab und an trotzdem Auftragstexte über Arbeit und Karriere, über Stadtentwicklung und Blogger Relations? Logo, muss ja aber nicht jeder wissen. 

Eine Stadt wie Bielefeld kann man nicht nur als Ganzes, sondern auch unter einem ganz bestimmten Aspekt betrachten. Meine Bloggerkollegin Synke würde schreiben, wo man in Bielefeld besonders gut vegan essen kann, Bloggerin Anja von GoOnTravel.de würde die schönsten Fotospots für Bielefeld bei Nacht behandeln und Tatiana von The Happy Jetlagger würde in Bielefeld garantiert pittoreske Ecken entdecken, die sonst kein Tourist findet.

Auf meinem Aktivreiseblog Tracks and the City würde (oder werde) ich über Bielefeld aus Läufersicht schreiben: wo sind die schönsten Laufstrecken Bielefelds? Welche Laufgruppen gibt es in Bielefeld und lohnt sich der Bielefeld Marathon? Und weil Läufer auch essen müssen: wo gibt’s den besten Kuchen in Bielefeld? Auch für meinen Großbritannienblog A decent cup of tea werde ich in Bielefeld fündig: „Bielefeld, very British“ – mit Afternoon Tea, einem englischen Pub und einer original britischen Telefonzelle mitten in der Stadt.

Für wen ist ein Text aus Nischensicht über Bielefeld interessant? Für Blogger und alle, die sich als Experte in ihrer Sparte positionieren wollen. Für die Stadt, die zeigen will, dass sie mehr ist als die Heimat des Pizza-und-Pudding-Produzenten. Und aus Lesersicht für alle, die bei einer Reise nach Bielefeld nach einer ganz bestimmten Sache Ausschau halten. Sei es, wo man die schönste Aussicht über Bielefeld hat, wo man in Bielefeld Tango tanzen oder äthiopisch essen kann.

Bielefeld-Bashing – mit Augenzwinkern

Als ich 2017 mit 60 anderen Bloggern beim Reiseblogger Camp in Wolfenbüttel war, war ich im Anschluss daran zunächst etwas ratlos. So gerne wollte ich auch einen Blogpost über Wolfenbüttel verfassen, doch irgendwie war schon alles gesagt. Seien wir ehrlich: die meisten meiner Bloggerkollegen machen schönere Fotos als ich und so wunderschön Wolfenbüttel auch ist (ja wirklich!), es gibt eben eine begrenzte Anzahl von Sehenswürdigkeiten, die man aufzählen kann.

Irgendwann kam mir die Erleuchtung: ich drehe den Spieß einfach um! Mein Artikel „8 Gründe, nicht nach Wolfenbüttel zu fahren“ ging ab wie Schmitt’s Katze. Gut, nicht alle haben die Ironie des Titels erkannt und ein paar Hate-Messages habe ich dafür schon bekommen. Dafür kam mir die Ehre zu teil, dass der Artikel auch im Wolfbenbütteler Stadtmagazin und Blog „echt lessig“ veröffentlicht wurde.

Bielefeld ganz nebenbei

Bielefeld muss nicht zwingend der Hauptdarsteller in einem Text über Bielefeld sein. Ich war hauptsächlich an jenem Wochenende in Bielefeld, um mich dort mit zwei Freelancer-Kolleginnen zu treffen. Um gemeinsam zu Coworken und Ideen zu spinnen. Und damit ich endlich ein paar ansehnliche Fotos von mir für diese Webseite bekomme (das Ergebnis wirst du demnächst bewundern können).

Meine Fotografin Mirjam setzt Storytelling visuell um, ihre Sprache sind „einfach schöne Bilder“. Wenn sie über das Shooting mit mir schreibt, dann wird selbstverständlich auch Bielefeld darin vorkommen. Ziemlich sicher verrät sie dabei auch ein paar besonders gute Spots, an denen man in Bielefeld gute Business-Fotos schießen kann.

Bielefeld aus Sicht einer Einheimischen

Die zweite im Bunde unseres Dreiergespanns ist Anna, und sie ist überhaupt der Grund warum wir uns am Nabel der Welt in Bielefeld treffen. Sie ist hier geboren und aufgewachsen und lebt dort als Webtexterin und Blog Coach. Ganz nebenbei ist sie meine persönliche Bielefeld-Botschafterin, denn sie hält ständig die Flagge hoch für diese Stadt, die für viele so gar kein Begriff ist. „Bielefeld ist toll!“ „Bielefeld hat eine wunderschöne Altstadt“ „Bielefelds Startup-Szene ist total innovativ“ sind nur einige der Aussagen, die ich ständig höre. 

Anna betrachtet Bielefeld nochmal aus einer ganz anderen Perspektive, greift gängige Klischees auf und stellt sie in Frage. Schau dir doch mal an, was passiert, wenn man jedem Menschen, dem man in Bielefeld begegnet, für eine Woche lang ein fröhliches „Guten Morgen!“ entgegen schmettert.

Bielefeld, Braunschweig oder Bamberg – brauchst du Texte?

Eine Stadt, viele verschiedene Ansätze, über sie zu schreiben. Die Übergänge sind fließend und die eine Textart schließt die andere nicht aus. Ein guter Reisetext kann sehr wohl von Suchmaschinen gefunden werden als auch gleichzeitig eine gute Geschichte erzählen. Er kann einen Nischenaspekt behandeln und gleichzeitig augenzwinkernd auf Bielefeld eindreschen. Denn es ist ja so: über Bielefeld ist noch längst nicht alles geschrieben.

Du interessierst dich für meine Dienstleistungen? Hurra, dann frage mich hier zu folgenden Möglichkeiten der Zusammenarbeit an:

  • Texte zu deiner Destination oder deinem touristischen Produkt
  • Sponsored Post in meinem Aktivreiseblog Tracks and the City oder Großbritannienblog A decent cup of tea
  • Workshop „Storytelling im Tourismus“
  • Sponsoring einer Coworkation oder Bloggerreise in Kooperation mit Reiseblogger Berlin.

Und nicht zuletzt möchte ich nun deine Tipps zum legendenumrankten und unbekannten Bielefeld – verrate mir alles über die Stadt, die es nicht gibt!

Wie schreibt man über Bielefeld?

3 Gedanken zu „Wie schreibt man über Bielefeld?

  • 12. Februar 2019 um 11:39
    Permalink

    Herrich! Gut geschrieben und sicherlich auch SEO-mäßig sehr gut. Was in diesem Fall gar nicht shclimm ist. Im Gegenteil! Hab wieder mal was über SEo gelernt und auch etwas über BIelefeld erfahren. Ich glaub, ich bin da noch nie gewesen. Aber vielleicht will ich jetzt mal dorthin.
    Beste Grüße
    Ulrike

    Antworten
    • 15. Februar 2019 um 13:34
      Permalink

      Hallo Ulrike,
      vielen Dank für deine netten Worte! Ich kann Bielefeld nur empfehlen, vor allem, wenn man Kaffe und Kuchen mag 🙂

      Antworten
  • 18. Februar 2019 um 21:18
    Permalink

    Vielen lieben Dank, für Deine lieben Worte! <3 🙂
    Ich war wirklich erstaunt, das zu lesen. Denn ich selbst denke immer, dass ich bei mir noch sehr vieles optimieren sollte 😀

    Dieser Beitrag von Dir ist aber auch super spannend und informativ.

    Liebe Grüße,
    Julia

    Antworten

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