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Die Internationale Tourismusbörse Berlin steht vor der Tür – vom 6. bis 10. März trifft sich die weltweite Tourismusbranche wieder in Berlin.

Blogger und Touristiker auf der ITB

Ein wichtiger Bestandteil der Messe, der sich inzwischen fest etabliert hat, ist das Aufeinandertreffen von Destinationen und Agenturen mit Bloggern. Auf der ITB kann man sich beim Blogger Speed Dating beschnuppern oder bei intensiveren Gesprächen herausfinden, ob man zusammenpasst. Nicht selten werden auf der Reisemesse direkte Deals für Bloggerreisen oder Rechercheunterstützungen gemacht.

Ein Anfängerguide für die Zusammenarbeit mit Reisebloggern und Influencern auf der ITB

Doch worauf kommt es im Vorfeld der Zusammenarbeit mit Bloggern an? Worauf müssen Touristiker achten, wenn sie mit Bloggern – oder Influencern – kooperieren wollen? Wie sollten sich Destinationen und Agenturen auf die Gespräche vorbereiten? Welche Faktoren sind wichtig, um die passenden Blogger für eine Destination oder ein touristisches Produkt zu finden? 

1. Kenne die Unterschiede: Blogger vs. Influencer

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Blogger und einem Influencer? Das Wort „Influencer“ wird manchmal fast schon als Schimpfwort benutzt, weil Personen, die nicht aus dieser Branche stammen, ein falsches Bild vom typischen Influencer haben. Das sieht in etwa so aus: eine, junge, hübsche Frau, die irgendwelche Produkte in die Kamera hält und dafür ordentlich abkassiert. Im Subtext steht geschrieben: „die muss ja gar nicht richtig dafür arbeiten.“ Tatsächlich verdienen sich viele Influencer eine goldene Nase mit solchen Sponsored Posts, doch dass denen das alles in den Schoss fällt, ist in den meisten Fällen ein Irrtum.

Vom Grundgedanken her ist ein „Influencer“ eine Person, die durch ihren Social Media Content andere dazu anregt, etwas zu tun – oder eben etwas zu kaufen. Das muss nicht per se etwas Materielles sein, oftmals ist es das allerdings. 

Daher mögen manche Blogger, vor allem Reiseblogger, es partout nicht, wenn man sie als Influencer bezeichnet. Reiseblogger kreieren nachhaltigen Content, auf ihrem eigenen Blog, der länger wirkt als ein Instagram-Bild, das nur für einen kurzen, flüchtigen Moment die Aufmerksamkeit der User erhascht. 

Oftmals sind aber die Grenzen auch fließend: erfolgreiche Blogger haben gleichzeitig viele Follower auf anderen Social-Media-Plattformen und sind dann eben beides: Blogger und Influencer. Wenn du also überlegst, wen du mit deiner Message oder deinem Produkt erreichen willst, dann solltest du vor allem eins tun: genau recherchieren. Und damit wären wir bereits bei Tipp Nummer 2.

2. Recherche, Recherche, Recherche!

Wie finde ich den richtigen Blogger? Wenn du auf der ITB als Destination oder Vertreter der Tourismusbranche am Blogger Speed Dating teilnimmst, dann hast du direkten Zugriff auf die dort angemeldeten Blogger. Aber auch wenn du das nicht tust, findest du im Virtual Market Place einen Überblick über die gelisteten Blogger und Influencer. Dann kann die Arbeit losgehen: Nachdem du die dortigen Profile der Blogger gescannt hast, solltest du dir erst einmal die Blogs genauer anschauen.

Ein guter Ausgangspunkt ist da jeweils die Über mich“-Seite. Hier erfährst du, wer hinter dem Blog steckt, worum es geht und idealerweise auch, seit wann es den Blog überhaupt gibt. Im Menü bekommst du auch einen ersten Eindruck davon, welche Schwerpunktthemen der Reiseblog behandelt oder welche Länder im Fokus stehen. Viele Reiseblogger haben noch einen Extra-Menüpunkt, in denen sie Kooperationsmöglichkeiten erklären und bereits erfolgreich abgeschlossene Partnerschaften benennen. 

Nicht zuletzt solltest du dir mindestens ein, zwei Blogartikel durchlesen und nach folgenden Gesichtspunkten beurteilen: Gefällt dir der Schreibstil? Welche Leserschaft scheint der oder die Bloggerin mit ihren Texten anzusprechen? Passt das zu der Zielgruppe, die du erreichen willst?

Im Anschluss solltest du noch einen Blick auf die dazugehörigen Social Media Profile werfen – Instagram, Facebook, Twitter. Bedenke aber: nur wer eine große Anzahl an Followern hat, hat nicht automatisch eine engagierte Community. Oftmals haben die so genannten „Micro Influencer“ mit einer kleineren Followerzahl weitaus mehr direkten Kontakt mit ihren Fans bzw. sprechen genau die Nutzer an, die sich wirklich vom dargestellten Content angesprochen fühlen. Schau also nicht nur, wie viele Likes die Posts haben, sondern auch wer kommentiert und vor allem: was kommentiert wird.

3. Vergleiche den Blogger mit deiner Zielgruppe

Wie zuvor schon angedeutet, ist es total wichtig zu erkennen, wie der Blogger oder Influencer zu deinem Produkt passt. Du hast ein kleines Hotel im Schwarzwald mit Fokus auf Familien mit Kindern? Da nutzt dir die digitale Nomadin, die Wert auf schnelles WIFI, veganes Essen und Coworking-Spaces legt wahrscheinlich wenig. Falls du luxuriöse Urlaubserlebnisse anbietest bist du mit dem Outdoor-Blogger, der am liebsten unterm Sternenhimmel übernachtet auch auf der falschen Fährte.

Lass dich nicht von vermeintlich „guten Zahlen“ (an Followern oder Likes) blenden sondern achte in erster Linie darauf, ob der Blogger genau das Publikum anspricht, das sich für dein Produkt interessieren könnte.

4. Erste Kontaktaufnahme: so sprichst du Influencer richtig an

Wenn du nun einige Blogger oder Influencer recherchiert hast, die du für dich und dein Angebot passend findest, dann heißt es: Emails schreiben! Klingt einfach? Ist es auch – aber aus Sicht einer Bloggerin kann ich dir versichern, dass nicht wenige Emails direkt in der Tonne landen, weil sie nach einer lieblosen Massenmail klingen.

Mein Tipp: Mache in der Mail klar, dass du dich wirklich mit dem Blog deiner Wunschkandidaten beschäftigt hast. Spreche sie oder ihn mit dem richtigen Namen an (den findest du im Impressum) und lege kurz dar, warum du denkst, dass ihr über eine mögliche Zusammenarbeit sprechen solltet. Wir Blogger lieben unsere Arbeit und sind stolz auf unser Baby – da kommt eine Email mit den austauschbaren Worten „Lieber Blogger, dein Blog ist schön, ich möchte dich gerne auf der ITB treffen“ eher nicht so gut an.

5. Im Gespräch mit Bloggern: die richtigen Fragen stellen

-„Wie viele Follower hast du?“ 

-„Was meinst du mit Followern? Ich habe 10.000 Unique Visitors auf dem Blog und 1.000 Instagram Follower, darauf liegt aber nicht mein Fokus“. „

– Wir arbeiten nur mit Instagrammern ab 100.000 Followern zusammen“

So lief ein Gespräch, das ich unlängst mit dem Repräsentanten eines Hotels in Finnland auf dem World Travel Market in London hatte. Dass diese Unterhaltung keine zwei Minuten dauerte, kannst du dir aus diesen Worten wahrscheinlich selbst erschließen. Das  Traurige daran? Das Hotel hatte mich im Vorfeld angefragt, ich hatte alle meine Daten im Mediakit geschickt und für diesen Termin extra einen anderen abgesagt. Hätte der Touristiker seine Arbeit gemacht, hätten wir uns beide diese unangenehmen Minuten sparen können.

Was für die Email gilt, gilt für das Erstgespräch umso mehr: mache dem Blogger klar, dass du weißt, wen du vor dir hast. Frage nicht sofort nach Zahlen, denn die hast du ja sowieso schon vorher schriftlich erhalten. Im Idealfall sind diese wertvollen Minuten auf einer Reisemesse ein Gespräch in dem du und der Influencer herausfinden, ob ihr zusammenpasst. Stelle die richtigen Fragen: Warum bloggst du? Für wen schreibst du? Was ist dir besonders wichtig, worauf legst du deinen Fokus? Warum interessierst du dich für meine Destination/mein Produkt?

6. Gegenseitige Erwartungen klären

„Damit das gleich klar ist, wir zahlen keine Anreise.“ – Ja, mit diesem Satz wurde tatsächlich einmal ein Gespräch einer Destination mit mir eröffnet. Dass solch ein Intro nicht zu einem angenehmen und produktiven Unterhaltung führt kannst du dir wahrscheinlich denken.

Ein Gespräch zwischen Touristikern und Bloggern ist dennoch nicht nur ein oberflächliches Geplänkel, sondern eine gute Möglichkeit, gegenseitige Erwartungen im Vorfeld zu klären. Kannst du dem Blogger exklusive Erlebnisse, besondere Kontakte oder Einblicke vermitteln? Was erwartest du von einer Kooperation? Sind dir Social Media Posts wichtig, willst du einen, zwei oder gar mehrere Blogartikel als Ergebnis der Reise? Wie kannst du die Bloggerin unterstützen – mit einer kostenlosen Hotelübernachtung, mit Fahrtkosten und weiteren Spesen? Viele Blogger arbeiten nicht mehr für „umsonst“, d.h. neben den Reise- und Aufenthaltskosten fällt ein Honorar bzw. Tagessatz an. Ebenfalls solltest du ansprechen, ob du eventuell Bilder oder Texte für deine eigenen Portale verwenden willst und welche Vereinbarung ihr darüber treffen könnt. Du solltest für dich also bereits im Vorfeld die Budgetfrage geklärt haben.

Auch wichtig: Die Frage nach der Werbekennzeichnung. Erhält der Blogger mehr als eine bloße „Rechercheunterstützung“ und wird von ihm explizit verlangt, dass er aufgrund der Reise Content erstellt, ist das unter Umständen „Werbung“ – und wird vom Blogger im Artikel auch als solche gekennzeichnet. Die Rechtslage ist hier derzeit noch etwas unsicher, umso mehr von Bedeutung ist es, diese Dinge zu regeln.

7. Nachfassen und schriftliches Festhalten

Die ITB ist rum, du hast tolle Gespräche mit Bloggern gehabt und auch gemerkt, wer so gar nicht zu dir, deiner Marketingstrategie und deinem Produkt passt. Nun solltest du nicht zu lange warten, sondern all deinen Gesprächspartnern eine Email schreiben. Allen? Ja, wirklich allen. Auch denen, mit denen du erst einmal keine Möglichkeit einer Zusammenarbeit siehst.

Eine kurze, höfliche Mail ist völlig ausreichend und gibt dem Blogger die Möglichkeit, sich auf andere Projekte zu konzentrieren. Ebenso fix solltest du bei den Influencern nachhaken, denen du konkret eine Kooperation anbieten möchtest. Auf Reisemessen und Events wurde mir schon viel versprochen „Wir laden dich nach Irland ein, auf jeden Fall!“ – doch Termine blocke ich für eine Bloggerreise erst nach einer festen, schriftlichen Zusage. Umgekehrt solltest du dir eine konkrete Zusage von deinen Wunschbloggern holen und die mündlichen Verabredungen noch einmal für beide Seiten verschriftlichen.

Sehen wir uns auf der ITB?

Ich wünsche dir viel Spaß, unterhaltsame Gespräche und spannende Kooperationsmöglichkeiten auf der ITB. Hast du Fragen oder bist du dir in einem der aufgeführten Punkte noch unsicher? Hast du vielleicht eine Anmerkung, was aus deiner Sicht noch wichtig ist, wenn Blogger und Destinationen über Kooperationen sprechen? Verrate es mir in den Kommentaren.

Übrigens: als Reisebloggerin bin ich mit meinen beiden Blogs, dem Aktivreiseblog Tracks and the City und dem Großbritannienblog A decent cup of tea natürlich auch auf der ITB. Falls du meinst, dass ich und mein Content zu dir und deiner Destination passen könnten, dann freue ich mich über eine Nachricht!

ITB Berlin: 7 Tipps für die Zusammenarbeit mit Bloggern

5 Gedanken zu „ITB Berlin: 7 Tipps für die Zusammenarbeit mit Bloggern

  • 6. Februar 2019 um 8:13
    Permalink

    Liebe Sandra, mit großer Freude habe ich deinen Artikel gelesen und hoffe sehr dass viele der ITB Touristiker das ebenfalls tun, dann können wir uns alle auf schöne und erfolgreiche Kontakte auf Augenhöhe freuen.
    Liebe Grüße
    Svemirka

    Antworten
  • 7. Februar 2019 um 4:30
    Permalink

    Hallo Sandra,
    ach wäre das schön, wenn dein Beitrag von den entsprechenden Agenturen und Verantwortlichen bei den Destinationen nicht nur gelesen, sondern auch verstanden und vor allem beherzigt würde.
    So schwer ist das doch gar nicht – kostet aber Zeit!
    BG, Peter

    Antworten
    • 9. Februar 2019 um 12:04
      Permalink

      Ja, das wäre in der Tat schön…obwohl, viele machen es ja auch schon total gut und richtig – darüber sollte ich vielleicht auch mal schreiben 🙂

      Antworten
  • Pingback:Wie du Klischees in deinen Reisetexten vermeidest

  • 19. Februar 2019 um 7:00
    Permalink

    Sehr nützliche Zusammenstellung, gratuliere! Und ich hoffe, dass sie von möglichst vielen Destinationsvertretern und Leistungsträgern gelesen wird.

    Ich habe auf unserem Blog eine Zusammenstellung publiziert, wie Hoteliers Reiseblogger evaluieren können. Im Unterschied zu Influencern 😉

    Antworten

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